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Warum Programmieren in der Schule doch wichtig ist

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Programmieren in der Schule - Titelbild

Warum Programmieren in der Schule doch wichtig ist

Die Debatte um die Notwendigkeit über das Programmieren an Schulen hält an. Es scheint als seien sich alle einig, dass etwas passieren muss. Doch was wirklich wichtig ist und das warum, geht im Meinungskonsens der Parteien häufig unter.

Ein Kind, welches heute eingeschult wird, steht eine völlig andere Zukunft bevor. Es wird wahrscheinlich weder einen Führerschein machen, noch wird es Busfahrer oder Kassierer werden können, da diese Berufe aussterben. LKW-Fahrer wird es ab 2035 nur noch für Spezialtransporte geben. Der zunehmende Grad an Digitalisierung und Automatisierung in allen Berufsfeldern führt verstärkt zu Rationalisierungen des Personals. Die Thesen klingen überspitzt und zumindest ein Gegenargumente ist leicht ausgemacht: „Die Berufe sollen seit Jahren aussterben und doch sind sie noch immer da!“. Das Argument zählt zweifelsohne, seit Jahren wird befürchtet, dass hunderttausende Menschen weltweit überflüssig werden könnten durch weitere Automatisierung, doch bisher spürbar ist nichts. Unsere Schulministerien und wir Lehrerinnen und Lehrer sollten aber nicht auf Sicht fahren, das Schulleben einer heute 6-Jährigen ist lang, die Verantwortung aktuell so groß wie nie. Die Warnmeldungen der letzten Jahre sind noch verpufft, doch die Einschnitte lassen nicht ewig auf sich warten.

Wann kommen die spürbaren Veränderungen durch die Digitalisierung?

Die ersten wirklich merklichen Veränderungen werden schlagartig kommen. Für eine Rationalisierung von Taxi-, Bus- und LKW-Fahrern ist zunächst eine zuverlässige Automatisierung der Fahrzeuge notwendig. Im Jahr 2022 werden nach heutiger Schätzungen vermutlich die ersten Hersteller Fahrzeuge anbieten können, die ihre Fahrgäste vollautonom zum Ziel bringen. Der verwöhnte Markt verlangt Neuerungen und der Wettbewerb unter den Autobauern wird dafür sorgen, dass alle ziemlich zeitgleich ins Ziel kommen, denn wer hier etwas verschläft hat eh schon verloren. Der Gesetzgeber beschäftigt sich bereits mit den rechtlichen Fragestellungen eines automatisierten Verkehr, ist aber bekanntlich nicht der schnellste. Die Umstände werden dazu führen, dass die Anbieter mehr oder weniger zum Zeitpunkt einer entsprechenden Regulierung mit den autonomen Fahrzeugen am Markt sind. Spediteure, Busunternehmer und Taxibetreiber werden schlagartig vor der Entscheidung stehen, ob sie ihren größten Kostenblock, menschlicher Fahrer, durch einen automatisierten Kollegen mit Anschaffung eines vollautonomen Neuwagens ersetzen. Die Entscheidung kann vorweggenommen werden. Ab spätestens 2025 wird es wohl keine Neueinstellungen in den genannten Branchen mehr geben. Das Schulkind aus unserem Beispiel ist zu dem Zeitpunkt in der 7ten Klasse und 13 Jahre alt.

Welche Jobs bleiben und welche entstehen?

Schon heute zeichnen Studien, die 1,38 Millionen offenen MINT-Stellen in 2020 prognostizieren, ein klares Bild wo die Reise hingeht. Hier ist nicht nur Deutschland als Industriestandort gefährdet, sondern auch unsere Schülerinnen und Schüler. Die besten Chancen haben alle mit klarem Fokus auf Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik. Um hier bestehen zu können, reicht es für unsere Schüler zukünftig aber nicht ein Smartphone bedienen zu können, gefragt sind fundierte Technik- und Digitalkompetenz. Selbstverständlich wird es weiterhin Berufsfelder geben, die unberührt oder weniger berührt von den Änderungen sein werden. Doch die Durchdringung unserer Lebensbereiche durch technologischen Fortschritt wird die Überbleibsel immer enger zusammenrücken.
Unsere Schüler werden bei Vollendung Ihrer Schullaufbahn mit großer Wahrscheinlichkeit ein informatiknahes Studium bzw. eine entsprechende Ausbildung absolvieren um in Deutschland auch weiterhin eine hervorragende Zukunftsperspektive zu haben. Doch selbst das wird schwieriger, wo es vor einigen Jahren noch gereicht hat ein Informatikstudium zu absolvieren, wird heute stärker differenziert. Es entstehen sogar eigens konzipierte Hoschulen wie die Code University in Berlin und zeigen wie sie sich die digitale Bildung der Zukunft vorstellen. Angeboten werden Studiengänge der Fachrichtungen Software Engineering oder Interaction Design. Für den, der jetzt schon nur noch Bahnhof versteht sind hochumworbene Experten der Fachrichtungen Data Scientist, AI-Architect oder Technomathematiker nur noch Aliens.

Warum ist das Programmieren so wichtig?

Fachexperten der oben genannten Studienrichtungen sind rar gesät. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der hochgefragten Berufe bereits Spezialisierungen eines reinen Informatikstudiums sind. Es reicht somit schon gar nicht mehr aus bloß Informatik studiert zu haben, unsere Schüler müssen zukünftig sogar noch eine Schippe drauf legen und sich in Nischen tiefer spezialisieren. Die Code University versucht diesem Weg im Sinne der Studenten zu verkürzen, in dem auf das Auswendiglernen veralteter Konzepte des klassischen Informatikstudiums verzichtet wird. Stattdessen wird ab Stunde Null des Studiums, in projektbezogenen Gruppenarbeit und unter dem Mentoring von Branchenkennern, das konkrete Handwerkszeug zukünftiger Software- und Designexperten vermittelt.

Unsere Schulen können in dem Zusammenhang einen echten Mehrwert liefern. Um weiterhin an der Wertschöpfungskette gut ausgebildeter Absolventen beteiligt zu sein muss der Unterricht angepasst werden. Der Informatikunterricht an unseren Schulen hat es mit Mühe und Not geschafft in einer Zeit anzukommen, die bereits wieder überholt ist. Kluge Konzepte sind notwendig um Schritt zu halten. Das Programmieren bemächtigt unsere Schüler ungemein. Es ist definitiv kein Allheilmittel doch es erlaubt mitreden zu können. Nichts hält Kinder mehr von etwas ab als vollständiges Desinteresse. In einer Zeit, in der für nahezu alle Tätigkeiten eine strenger IT-Bezug besteht ist ein Grundverständnis der Ablaufenden internen Prozess notwendig um inhaltlich nicht vollständig abgehängt zu werden. Eine Programmiersprache ist hier der günstigste Einstieg. Man kann Interesse nicht besser wecken als mit schnellen und spannenden Arbeitsergebnissen. Das Programmieren ist hier extrem dankbar. In JavaScript sind keine 5 Zeilen Programmcode notwendig und schon spricht der Computer zu einem. Eine Low hanging Fruit für jede Schule, wenn man weiß wie man rankommt. Webseiten wie codecademy oder codeschool sind in dem Zusammenhang besonders dankbar und leiten in knappen Erklär-Videos und interaktiver Programmcode-Eingabe spielend einfach durch die ersten Schritte der Materie. Lehrerinnen und Lehrer müssen nicht mehr Stunden mit der Unterrichtsvorbereitung verbringen sondern können im Zweifel gemeinsam mit Ihren Schülern das Programmieren für sich entdecken.

Programmieren ist wichtig. Unsere Kinder haben einen weiten weg vor sich wenn sie eines Tages Big Data Engineer bei Bosch oder Siemens werden wollen. Ein entsprechendes Studium wird nicht leichter, auch wenn die Hochschulen sich entsprechend weiterentwickeln. Um im Jahr 2035 auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein, müssen unsere Schulen den wichtigsten Beitrag leisten – Sie müssen die Schüler begeistern. Ein Schüler, der früh auf spielerische Art an das Thema IT herangeführt wird hat große Chancen ein entsprechendes Studium aufzunehmen und sich weiter zu spezialisieren. Es muss und soll nicht jeder Schüler IT-Profi werden. Zur Chancengleichheit gehört aber auch, dass nicht nur jeder Schüler weiß wie man Gedichte interpretiert und Noten liest, sondern auch, dass alle Schüler in Grundzügen wissen wie ein PC funktioniert. Lediglich Programmieren hilft auch nicht in allen Lebenslagen weiter. Vermittelt wird jedoch ein solides und spannendes Grundrüstzeug für mehr. Helft mit, bringt euch und euren Schülern das Programmieren bei!